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Entgiftung und Entschlackung - Was ist das eigentlich?

In Medizinerkreisen werden die "Allerweltsbegriffe" Entgiftung und Entschlackung zum großen Teil als Unfug oder einfach als nicht existent beschrieben. Kein Wunder, wenn zum Teil dubiose Anbieter alle möglichen Produkte genau zu diesem "Zweck" anbieten.

Deswegen ist es an der Zeit diese Begriffe einmal genauer zu definieren und die Vorgänge zu beleuchten, die damit verbunden sind.

Wenden wir uns erst einmal dem Begriff der Entgiftung zu

Täglich ist unser Körper unzähligen Giften aus den verschiedensten Quellen ausgesetzt:

Die Toxine dringen über die Atemluft in den Körper ein oder gelangen über die täglichen Speisen in den Organismus. Sogar von der Haut können viele Gifte aufgenommen werden, wenn wir Kontakt mit verseuchtem Wasser haben oder industrielle Pflegemittel auftragen. Dabei ist das Spektrum der Gifte sehr groß und entsprechend ist ihre schädliche Wirkung im Körper sehr verschieden. Auch die Art der Anreicherung differiert stark und der Ort der Speicherung in den jeweiligen Gewebe-Typen unterscheidet sich.

Ein großes Problem sind die Schwer- und Halbmetalle. So können Forscher in den Knochen heutiger Menschen 20- bis 1000-fache Konzentrationen von Blei nachweisen wie in historischen Fundstücken. Im letzten Viertel des vergangenen Jahrtausends hat sich die Quecksilber-Belastung in Meeresfischen vervierfacht. Die industrielle Schadstoff-Emission beschert uns dazu verwandte Elemente wie Arsen, Cadmium und Aluminium. Sogar radioaktive Isotope akkumulieren sich im menschlichen Körper. 

Ist die biochemische Entgiftung von Metallen noch „relativ einfach“ durch spezifisch wirkende Chelat-Bildner zu bewerkstelligen, so stehen die Ärzte bei der Vielfalt der organischen Toxine vor einem größeren Problem. Wie Glyphosat, DDT, Polychlorierte Biphenyle, Pthalate oder Benzapyrene aus dem Körper zu entfernen sind, ist in der Schulmedizin immer noch kein bedeutendes Thema. 

Obst und Gemüse sind mit Pestiziden, Herbiziden, Kunstdüngern und anderen Chemikalien belastet. Tierische Produkte wie Fleisch Eier oder Milch enthalten häufig Antibiotika, Dioxin und andere gefährliche Stoffe. Besonders bei tierischen Produkten aus Massentierhaltung ist die Belastung hoch. Doch auch bei der Zubereitung der Nahrung werden viele bedenkliche Stoffe zugesetzt: Konservierungs- und Farbstoffe, Geschmacksverstärker und natürlich die ganze Palette der (weiteren) Zusatzstoffe, die mal mehr oder weniger als "bedenklich" beurteilt werden.

Aber damit ist es noch lange nicht genug. Unsere Atemluft ist durchsetzt von Abgasen, Rußpartikeln und Feinstäuben. Und unsere Haut kommt mit Duschgel, Shampoo, Haargel, Tönung, Rasierwasser, Make-up und Lippenstift und einer weiteren bunten Mischung von Chemikalien in Kontakt.

Und in den eigenen vier Wänden sind es die Baustoffe, Möbel, Kleidungsstoffe und Teppiche, die giftige Stoffe ausdünsten können. Selbst Trinkwasser wird häufig in Plastikflaschen angeboten, aus denen sich Weichmacher lösen können oder aus bleiernen Leitungsrohren quillt schwermetallverseuchtes Trinkwasser.

Doch auch unser Körper selbst bildet Giftstoffe: Falsche und zu einseitige Ernährung und andere Faktoren sorgen für eine zu hohe Konzentration an Säuren, die den Körper belasten, das Bindegewebe lähmen und das Immunsystem behindern.

Dazu kommen die Gifte, die wir freiwillig zu uns nehmen: Koffein, Alkohol, Nikotin und Drogen. Auch Zucker hat in den Mengen, in denen viele Menschen ihn zu sich nehmen, deutlich schädigende Wirkungen auf den Körper.

Diese Giftmischung schadet dem Körper ganz erheblich. Diffuse Beschwerden wie Energielosigkeit oder Abwehrschwäche können genauso mit Giftstoffen in Verbindung stehen wie schwere Erkrankungen, zum Beispiel Depressionen, Krebs oder multiple Sklerose. Grund für diese extremen Risiken sind nicht die minimalen tagtäglichen Giftspuren, die in uns eindringen, sondern deren Anreicherung. Vor allem aber deren Vielfalt wirkt sich fatal aus, denn die einzelnen Toxine wirken synergistisch. So ist Quecksilber 100 Mal giftiger, wenn gleichzeitig eine Blei-Kontamination stattfindet.

Zum Glück sind wir diesen Giften nicht ganz schutzlos ausgeliefert. Eine Möglichkeit, mit ihnen umzugehen, besteht darin, die Aufnahme so weit wie möglich zu vermeiden. Ganz wird das nie gelingen, aber viele Giftstoffe sind durch gesunde Ernährung, hochwertige (Bio-)Nahrungsmittel und bewusstes Einkaufsverhalten zu vermeiden. Diesen Weg empfehle ich prinzipiell, denn Gift, das nicht in den Körper aufgenommen wurde, muss auch nicht mühsam wieder ausgeleitet werden.

Doch auch für die Gifte, die sich schon im Körper befinden, gibt es eine Lösung. Diese heißt Entgiften. Viele Gifte können wieder aus dem Körper gelöst und ausgeleitet werden. So werden weitere Schädigungen verhindert und oft viel der ursprünglichen Vitalität und Gesundheit wiederhergestellt.

Es ist allgemein davon auszugehen, dass wir alle unter einer unterschwelligen Vergiftung leiden. Im Gegensatz zur akuten Intoxikation ist dies allerdings schwer nachweisbar. Die Symptome sind ja nicht der einer Vergiftung typisch, sondern äußern sich in zahlreichen Krankheitsbildern, die durch die schleichende Vergiftung gefördert werden. Die meisten Toxine werden in Geweben abgelagert - die einen beispielsweise im Fett, die anderen in den Knochen. Kontaminationen werden gemeinhin durch Blut-Analysen nachgewiesen, aber diese können die Ablagerungen in Organen eben nicht zeigen.

Welcher Arzt denkt bei psychiatrischen Krankheiten zuerst an eine Quecksilbervergiftung durch Amalgam-Füllungen? Oder sollten chronische Entzündungen durch eine Aluminium-Kontamination verursacht worden sein? Oder wäre es möglich, dass Phthalate in Kunststoffen den Hormonhaushalt gestört haben, wohingegen der Mediziner nach ganz anderen Ursachen forscht?

Diese Überlegungen machen klar, dass eine Entgiftungskur eigentlich zum gängigen Repertoire der Medizin gehören sollte.

Prinzipiell werden dabei drei Ziele erfolgt:

  1. Die Organe, die an der Ausleitung von Giften beteiligt sind, müssen geschützt und gekräftigt werden.
  2. Die eingelagerten Giftstoffe müssen gelöst und ausgeleitet werden.
  3. Die Vermeidung einer weiteren Aufnahme von Toxinen.

Vor der biochemischen Entgiftung müssen großvolumige Giftansammlungen entfernt werden. Dazu muss der Zahnarzt zunächst alle Amalgamfüllungen heraus bohren. Oft kommt es sogar vor, dass sich kleine Splitter der Legierung im Zahnfleisch oder dem Kieferknochen verbergen. Diese Fragmente müssen mit dem CT aufgespürt und heraus präpariert werden.

Zu berücksichtigen sind dabei auch solche Areale, die entzündet sind. Dies kann bei Zähnen oder in Teilen des Kiefers der Fall sein.

Ein weiteres Problem stellen Tattoo-Farben dar. Sie enthalten nicht nur organische Pigmente, die teils krebserregend sind. Auch Metalle dienen dazu, manche Farbschattierungen zu erzeugen. Diese Art der Körperbemalung, die sich in der Haut befindet, muss ein geschulter Chirurg sorgsam entfernen. Die makroskopischen Gift-Kontaminationen sondert ständig Toxine in gelöster Form in den Körper ab. Eine biochemische Detoxifikation ist sinnlos, wenn diese Giftquellen nicht beseitigt werden.

Eine andere Voraussetzung für eine effektive Entgiftung ist eine optimale Versorgung des Körpers mit Vitalstoffen. Viele enzymatische Entgiftungs-Prozesse verbrauchen große Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen. So ist die Glutathionperoxidase auf Selen als Co-Faktor angewiesen. Ein gewisses Problem besteht hier darin, dass viele Chelat-Bildner auch die wertvollen Spurenelemente austreiben. An diesen essentiellen Vitalstoffen darf es aber auf keinem Fall mangeln. Deswegen müssen die lebenswichtigen Spurenelemente Zink, Kupfer, Chrom, Eisen, Mangan und Molybdän zwischen den einzelnen Entgiftungs-Kuren supplementiert werden. Geschieht dies nicht, kann die Entgiftung im Ganzen nicht funktionieren.

Eine zusätzliche Supplementierung mit Kalium, Kalzium und Magnesium ist ebenfalls unabdingbar. Denn diese Mineralien sorgen für ein basisches Milieu, in dem die meisten Detox-Agenzien effektiver funktionieren.

Nach der mechanischen Entfernung von Gift-Kompartimenten und der Schaffung der anderen Voraussetzungen erfolgt die chemische Säuberung. Dazu gibt es in der Schulmedizin und in der "Alternativmedizin" ganz verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel:

  • In der klinischen Medizin wird z.B. sogenanntes DMPS DMSA, Tiopronin, EDTA, Berliner Blau, Desferroxamin, NBMI, DTPA, und Zn-DTPA. Diese Chelat-Bildner formen Komplex-Verbindungen mit Schwer- und Leicht-Metallen, sodass diese über die Nieren ausgeschieden werden können. Die Applikation erfolgt durch Injektionen oder oral. Diese Maßnahmen richten sich allerdings nur spezifisch gegen metallische Elemente. Organische Toxine müssen mit anderen Methoden ausgetrieben werden:
  • Die organischen Rückstände werden mit Makro- und Mikronährstoffen gebunden und ausgeleitet. Dazu müssen verschiedene Präparate angewendet werden, weil nicht jedes Antidot jedes Gift bindet. Sinnvoll ist die Kombination von ACC (Acetylcystein), GSH (Glutathion), Taurin, Selen, Liponsäure, S-Adenosylmethionin sowie diverse organische Säuren.
  • Mariendistel-Präparate werden zum Entgiften eingesetzt (wobei dieser Begriffe für die Mariendistel gar nicht passt, denn die Wirkstoffe der Mariendistel entgiften gar nicht, sondern schützen die Leberzellen vor der Vergiftung, was man sich zum Beispiel in der klinischen Medizin bei Knollenblätterpilz-Vergiftungen zu nutze macht). Hauptwirkstoff der Mariendistel ist das Silibilin, das Bestandteil anderer verwandter Verbindung ist, deren Gemisch als Sylimarin bezeichnet wird.  
  • Andere Pflanzen werden in der Naturheilkunde eine "ausleitende" und "entgiftende" Wirkung zugeschrieben, wie zum Beispiel der Brennnessel, Wacholder Löwenzahn und Aronienbeeren. Die schwefelhaltigen Thiole in Knoblauch und andern Lauchgewächsen gehören ebenfalls zu den phytomedizinischen Entgiftern. Gute Entgiftungs-Funktionen haben auch die Curcumoide aus dem Kurkuma. Daneben entdecken Forscher stetig neue Wirkstoffe in Pflanzen, die eine entgiftende Wirkung haben.
  • Immer wieder ist zu betonen, dass alle Ballaststoffe immer auch eine entgiftende Wirkung haben. Diese setzt freilich bereits im Darm ein, bindet dort die Toxine und führt sie ab. Wichtig ist daher der Verzehr von Gemüse und Obst, denn das ist die beste Vorbeugung gegen die schleichende Vergiftung des Körpers.
  • Es gibt Präparate, die eine Reihe von Giftstoffen im enterohepatischen Kreislauf abfangen. Dieser kleine „Nebenkreislauf“ verschaltet die Leber als Stoffwechsel-Organ mit dem Darm als Einfuhrschleuse. An dieser Stelle wirken die Chlorella-Algen und andere organische Verbindungen wie die Pektine aus pflanzlichen Zellwänden. Ihnen in der Wirkung gleichzusetzen sind die Phospholipide, die aus verschiedenen biogenen Rohstoffen gewonnen werden. Hochreines Paraffin bindet vor allem fettlösliche Toxine. Das Chitosan, gewonnen aus dem Exoskelett der Insekten und Krustentiere, ist ein weiterer Wirkstoff, der im enterohepatischen Kreislauf Toxine bindet und ausleitet. Anorganische Präparate, die an diesem Wirkort ihren Dienst tun, sind Siliciumderivate, gereinigte Zeolithe und der schlichte Kohlenstoff.
  • Als Haupt-Entgiftungsorgan gilt natürlich die Leber - was in gewisser Weise auch stimmt. Alle Maßnahmen, die die Leber stärken und schützen, unterstützen also auch den Entgiftungsprozess. Das ist ein klassischer Ansatz vieler Naturheilkundiger. Doch immer gilt: was die Leber zur Entgiftung vorbereitet, muss  die Niere auch ausscheiden können. Ein Nebenweg der Ausleitung ist dabei auch die Haut und bei flüchtigen Substanzen die Lunge.
  • Fasten wird vielfach als ein wirkungsvolles Mittel zum Entgiften angepriesen. Durch die Umstellung auf den Fastenstoffwechsel ist der Körper gezwungen, eingelagerte Reserven zu verbrauchen. Dabei werden auch viele Giftstoffe gelöst und ausgeschieden. Die Entgiftung lässt sich während des Fastens auf vielfältige Weise unterstützen - doch auch dabei ist in gewisser Weise Vorsicht geboten! Das gilt gerade für intensives Schwitzen, das Giftstoffe über die Haut ausscheidet. Anstrengender Sport oder Saunagänge sollten aber lieber nach der Fastenkur unternommen werden.
  • Und dann kommen noch zahlreiche weitere Verfahren daher, die mit "Entgiftung" werben: die Homöopathie, die Therapie mit Heilpilzen oder natürlich die Algen-Präparate.
  • Und schließlich natürlich noch die ganze Riege der Darmspülungen usw., die den Darm reinigen und "entschlacken" sollen... -- Und das bringt uns zu dem Begriff der "Entschlackung"...

Nach der erfolgreichen Entgiftung sind nicht nur die wesentlichen Rückstände aus dem Körper entfernt, sondern auch die Fähigkeit zur Selbstentgiftung hat zugenommen. Die Nieren können höhere Konzentrationen neu hinzukommender Gifte ausscheiden. Grund dafür ist, dass die enzymatischen Entgiftungs-Systeme der Leber regeneriert sind und effektiver arbeiten.

Der viel strapazierte Begriff der "Entschlackung"

Wenn das Wort Entschlackung fällt, ziehen viele Schulmediziner genervt oder amüsiert die Augenbrauen hoch und behaupten, im menschlichen Körper gebe es gar keine Schlacken. Das ist auch kein Wunder, wenn man sich anschaut, welche Mittel zu dieser "Entschlackung des Körpers" angeboten werden.

Deshalb halte ich es für dringend notwendig, genauer zu klären, was der Volksmund und die Naturmedizin unter Schlacken versteht und warum es wichtig ist, sich mit ihnen zu befassen.

Neben den vielen Giften (wie oben kurz angedeutet), die von außen in den Körper gelangen, produziert auch der Körper selbst eine Menge Stoffe, die er verarbeiten muss: Säuren, Gerbstoffe, Hormone, Stoffwechselprodukte und vieles mehr. Ein gesunder Körper scheidet diese schädlichen Stoffe wieder aus. Diese Grundgesundheit ist aber bei vielen Menschen nicht mehr gegeben. Falsche und einseitige Ernährung, zu wenig Bewegung und zu viel Stress sorgen zudem für ein massives Überangebot an Säuren, die der Körper nicht verwerten und oft auch nicht ausscheiden kann.

Wird der Körper mit den Säuren, Abfallprodukten und Schadstoffen nicht mehr fertig, lagert er sie notgedrungen im Körper ein. Weil sie dort zunächst keinen Schaden anrichten, landen sie meist im Bindegewebe und in den Fettzellen. Der Plan des Körpers ist, sie bei nächster Gelegenheit wieder aus den Zellen zu lösen und auszuscheiden. Wenn aber ständig zu viele Säuren und andere schädliche Stoffe den Körper überschwemmen, kommt diese Gelegenheit nie. Im Gegenteil: Es werden mehr und mehr Schadstoffe und körpereigene Abfallprodukte im Körper eingelagert. Diese Ablagerungen nennen wir Schlacken.

Auf Dauer und in großen Mengen richten sie im Körper großen Schaden an. Gicht ist zum Beispiel die Folge von Harnsäurekristallen, die in den Gelenken eingelagert wurden. Auch Rheuma und Arthrose, Autokomplex-Krankheiten und vielfältige Entzündungen können die Folge von Schlacken sein. Doch selbst wenn es nicht ganz so schlimm kommt, sorgen die Ablagerungen für Müdigkeit, Energielosigkeit und ein gestörtes Immunsystem.

Eine gute Möglichkeit zur Entschlackung könnte daher zum Beispiel das Heilfasten sein: Während des Fastens gelangen nämlich kaum neue Schadstoffe in den Körper. Gleichzeitig muss dieser so gut wie keine Energie auf die Verdauung verwenden und viel weniger Magensäure und andere Verdauungssäfte produzieren. Damit ist nun endlich die Gelegenheit für den Körper gekommen, sich zu reinigen und die alten Zwischendepots wieder zu leeren.

Eine wichtige Rolle bei der Entschlackung spielt der Darm, denn auch dort lagern sich viele überflüssige und schädliche Stoffe an. Dadurch wird die Passage für den Darminhalt immer schwieriger, was zu massiven Verdauungsproblemen führen kann. Die Ablagerungen bilden außerdem den idealen Nährboden für Keime, Würmer und Pilze, die für weitere Gesundheitsprobleme sorgen. Zusätzlich wird der Darm durch die Ablagerungen in seiner Arbeit behindert und kann nicht mehr alle Nährstoffe aus der Nahrung lösen. Deshalb ist während des Fastens die Darmreinigung so wichtig. Sie unterstützt den Körper bei seiner Reinigung.