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Gibt es eine Entgiftung? Und wenn ja, welche Nachweise gibt es dafür?

Klinische Studien, die systematisch die entgiftende Wirkung von zum Beispiel natürlichen Heilmitteln, -pflanzen oder -pilzen untersucht hätten, gibt es aus verständlichen Gründen nicht. Solche Studien sind aufwendig, teuer und finanziell absolut unattraktiv.

Denn die Pharmaindustrie arbeitet ausgerechnet mit toxischen Substanzen, die sie uns als Heilsubstanzen verkauft. Daher besteht bei der Pharmaindustrie zweimal kein Interesse an dieser Themenstellung: Erstens kann man die Ergebnisse nicht versilbern, da es kein Patent auf natürliche „Entgifter“ gibt; und zweitens würden entgiftende Substanzen die Wirkung der eigenen Produkte möglicherweise beeinträchtigen. (Drittens besteht immer die Gefahr, dass die natürlichen Entgifter besser „heilen“ als die synthetischen Produkte).

Im Falle von kommerziellen „Entgiftungsdiäten“ (wo es finanzielle Vorteile zu erwarten gibt) sieht die Sache etwas anders aus. Hier gibt es einige Studien, die gezeigt haben, dass diese Produkte die Entgiftungsleistung der Leber verbessern oder organische Verunreinigungen im Organismus eliminieren können (Detox diets for toxin elimination and weight management: a critical review of the evidence.). Es handelt sich aber nicht um randomisierte, doppelblinde, Placebo kontrollierte Studien, dem „goldenen Standard“ für wissenschaftlich aussagekräftige Arbeiten.

In einem Fallbericht aus den USA wird berichtet, dass ein Patient, der längere Zeit Malathion ausgesetzt war, eine Reihe von Symptomen entwickelt hatte, wie schweres Erbrechen, Kopfschmerzen, nächtliche Schweißausbrüche, Gelenkschmerzen, Kurzatmigkeit etc. Durch eine Entgiftungsdiät konnte diesem Mann geholfen werden (Nutritional aspects of detoxification in clinical practice.). Das Abstract berichtet leider nur davon, dass nach drei Monaten mit der Entgiftung die meisten der Symptome eliminiert werden konnten.

Eine andere Studie wusste zu berichten, dass Niacin (Vitamin B3) die Entgiftung ankurbelt, da das Vitamin die Last von im Fettgewebe gespeicherten Noxen herabzusetzen scheint (Niacin for Detoxification: A Little-known Therapeutic Use).

Eine ältere Arbeit (von 1982: Evaluation of a detoxification regimen for fat stored xenobiotics.) berichtet von sicheren Entgiftungsverfahren für Patienten, die Probleme mit Medikamenten, Drogen und berufsbedingten und umweltbedingten Giften in Berührung gekommen sind. Die Arbeit berichtet von einer Senkung des Blutdruckwerts bei Hypertonikern von durchschnittlich 30,8  mmHg systolisch und 23,3  mmHg diastolisch. Erhöhte Cholesterinspiegel wurden leicht gesenkt, um durchschnittlich 19,5 mg/100ml. Die Triglyceride dagegen wurden nicht verändert. Erstaunlich ist hier, dass sich eine solche Entgiftung offensichtlich auch auf den Intelligenzquotienten auszuwirken scheint. Denn die Autoren berichten von einer IQ Steigerung von 6,7 Punkten. Und auch soziales Verhalten scheint durch eine Entgiftung positiv beeinflusst zu werden.

Ein australischer Professor, Marc Cohen, für komplementäre Medizin erlaubt sich die Äußerung, die ich bereits mehrfach in meinen Beiträgen zum Besten gegeben habe: Der Mangel an wissenschaftlichen Untersuchungen und der sich daraus ergebende „Mangel an Beweisen“ ist nicht gleichzusetzen mit einem Mangel an Effektivität ('Detox': science or sales pitch?). Er sieht die Welt ebenfalls in einem sich immer vermehrten Maße von Giften beeinflusst, wovon die meisten gesundheitlich alles andere als unbedenklich sind.

Auch hier treffe ich auf das alte Argument, dass Toxine eine „Bioakkumulation“ durchmachen, was nichts anderes heißt, als dass Toxine vom Organismus so aufbereitet werden, dass sie in unserem Gewebe abgeladen und gespeichert werden können.

Für die meisten Vertreter der Schulmedizin existieren solche Vorgänge nicht, da sie nach wie vor behaupten, dass der Körper alles Gift mehr oder weniger schnell entsorgt. Und da fängt dann die alte Diskussion um die „Schlacken“ an. Interessant und beunruhigend ist der letzte Satz des Abstracts, dass Toxine synergistische Effekte im Organismus ausüben können, wobei die Potenz dieses Synergismus deutlich höher liegt als die Summe der Wirkung der Einzelsubstanzen, mit denen sich der Organismus auseinanderzusetzen hat.